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IGO ETRICH (1879-1967)

Etrich Taube

 

I go Etrich wurde am 25. Dezember 1879 in Oberaltstadt bei Trautenau (ostböhmische Kreisstadt) geboren. Er besuchte die Realschule in Trautenau und absolvierte seine technischen und kommerziellen Hochschulstudien in Leipzig. Da die väterlichen Unternehmungen, Spinnerei- und Leinenbetriebe in Oberaltstadt, Bausnitz und Wyssotschansk, auf einer gesunden wirtschaftlichen Basis standen, begann Igo Etrich, von seinem Vater unterstützt, mit den Flugversuchen.
Nach dem unglücklichen Ende des deutschen Flugpioniers Otto von Lilienthal erwarb Etrichs Vater Ignaz die Patente und einige Modelle aus dem Nachlaß. Dies ermöglichte dem Sohn Igo die Fortsetzung und den Ausbau der Lilienthal’schen Forschungen.

 

taube

  Etrich Taube

Nach verschiedenen Versuchen mit einem einfachen Fahrradmotor entschloß sich Etrich zum Bau eines Fluggerätes mit 36 Quadratmetern Tragfläche und einer Spannweite von zwölf Metern, dessen Tragfähigkeit für das Gewicht eines Menschen ausgelegt war. Unter Berücksichtigung aller bisher gemachten Erfahrungen wurde bis zum Winter 1906/07 der erste Monoplan „Etrich“ geschaffen.
Mit Hilfe seines Werkmeisters Karl Illner wurde das Modell „Etrich“, die „Taube“, gebaut, die Etrich im April 1910 selber einfliegen wollte. Dabei stürzte er jedoch ab und zog sich eine schwere Rückgratverletzung zu. Die weiteren Flugversuche unternahm sein Werkmeister Karl Illner.

Glücklicherweise schaltete sich der Direktor der Daimler-Werke in Wr. Neustadt, Ing. Ferdinand Porsche, ein, und stattete die „Taube“ mit einem leistungsstarken Daimler-Porsche-Motor aus. Die so ausgerüstete „Etrich-Taube“ brach mit Karl Illner am Steuer sämtliche Flugrekorde. Am 10. Oktober 1910 errang Illner den großen Preis der Stadt Wien für den Überlandflug Wien–Horn– Wien.
Etrich gründete in Liebau/Schlesien die „Etrich-Flieger-Werke“ und gewann einen jungen Konstrukteur namens Heinkel für sein Unternehmen. Der Bedarf an Militärflugzeugen robusterer Art machte es notwendig, die Produktion umzustellen.
Da auch Liebau zu klein wurde, gründete Etrich die „Brandenburgischen Flugzeugwerke“ in Briest an der Havel. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges lieferte dieses Werk den größten Teil der Kriegsflugzeuge an die Mittelmächte. Aus dem Forscher Etrich wurde ein Fabrikant.
1918 kam das bittere Ende. Die Fabriken sowie die Flugzeuge wurden zerstört und deren Weiterbau verboten. Etrich beschränkte sich nunmehr auf die Leitung der väterlichen Textilbetriebe.

Die Katastrophe erfolgte 1945. Igo Etrich verlor sein Eigentum, die väterlichen Fabriken und seine geliebte Heimat. Nach den Wirren der Nachkriegszeit ließ sich Igo Etrich schließlich in Salzburg nieder. Hier begann der betagte Flugpionier von vorne und konstruierte eine Spezialmaschine für die Textilindustrie. Dr. Ing. h.c. Igo Etrich starb am 4. Februar 1967 und wurde auf dem Salzburger Kommunalfriedhof in einem Ehrengrab beigesetzt.