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Mit der Cherry zur Mitternachtssonne

Eigentlich wollte ich ja nur am ersten Juniwochenende mit meiner Frau Heidi zum EAA Treffen nach Barkaby (Stockholm) fliegen, reine Routinesache, schließlich war ich schon zweimal mit meinem Schwiegervater dort. Das Schwedentreffen ist jedes Mal eine interessante Sache: eine Menge Flugzeuge, gutes Essen, freundliche Leute, schöne Landschaften und wenn Zeit bleibt eine interessante Stadtbesichtigung in Stockholm.

Das wollte ich auch heuer mit Heidi erleben. Wie das Leben so spielt hat sich allerdings alles anders ergeben. Erstens bekam ich durch den davor liegenden Feiertag am Donnerstag und zwei schulfreien Tagen am Freitag und Samstag plötzlich insgesamt fünf arbeitsfreie Tage (Montag i´s mein freier Tag), sodass wir unsere Reise etwas großzügiger planen konnten. Wenn das Wetter die ganzen fünf Tage "fliegbar" ist, könnten wir sogar das Nordkap schaffen, überlegte ich. Also besorgte ich zumindest Kartenmaterial und einen neues Tripkit von Skandinavien, den kann ich immer brauchen.

Kurz vor Reisebeginn passierte jedoch unserer Tochter ein Missgeschick beim Turnen - Bänderriss mit Operation, Gipsbein und eine Menge Komplikationen im Haushalt. Heidi wollte und konnte unter dieses Umständen nicht mitfliegen. Dafür war jedoch Christian, mein Ältester, sofort bereit in die Bresche zu springen. Er hat sich ja schon oft als vorzüglicher Copilot erwiesen, kann mit der Cherry schon sehr gut umgehen und spricht perfekt Englisch, also war das Vaterland gerettet.

Von der üblichen Cherry Crew waren auch noch Hans Brandstätter und Hans Haberhofer mit von der Partie und im letzten Augenblick entschied sich auch Poldi Beham mit seiner Jodel Bebe mitzumachen, also waren wir vier Maschinen. Die Wettervorhersage war ganz gut, also starteten wir am Donnerstag den 29. Mai 1997 zuerst einmal nach Wels, dort wollten wir die beiden Hansen treffen. Das klappte auch ganz gut, nur Hans Haberhofer hatte etwas Verspätung, da er von Weiz über die Berge Wetterprobleme hatte und übers Wiener Becken fliegen musste.

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Start in St.Georgen Flugplatz, Niederösterreich

Zoll erledigt, Flugplan nach Lübeck aufgegeben, Flieger voll getankt und los ging’s. Eine Gruppe von Welser Fliegern begleitete uns anfangs noch ein Stück, die machten einen Vereinsausflug nach Vilshofen. Poldi war bereits direkt von St.Georgen unterwegs nach Lübeck, er hatte ja einen etwas langsameren Flieger. Wir drei Cherrys flogen im Verband, mit 50 bis 100m Abstand, schalteten wie üblich auf unsere Companyfreqünz 123.45, sodass wir halbwegs ungestört quatschen konnten. So in der Gegend um Jena meldete sich dann schon Poldi am Funk, er hatte natürlich dieselbe Frequenz geschaltet und auch dieselbe GPS Route geplant, und so sahen wir bald die kleine rotweiße Jodel unter uns. Nach der Landung in Lübeck waren wir gerade zur Tankstelle gerollt, da schwebte sie schon zu Landung an, viel Zeit haben wir ihm gar nicht abgenommen.

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Die Cherrys von Hans Brandstätter und Hans Haberhofer

Für einen Weiterflug sah das Wetter momentan nicht recht gut aus, aber morgen sollte es besser werden. Also beschlossen wir, hier zu übernachten. Zum Abstellen der Flugzeuge wies man uns einen Abstellplatz im Gras am Ende des Flugplatzes an.

Wir starteten also unsere Flieger an und rollten zum angegebenen Platz, mit meiner Cherry durfte Chris allein taxeln. Ich ging die kurze Strecke zu Fuß und sah von der Ferne nur zuerst Brandstätter, dann Chris hintereinander zu ihren Plätzen rollen, dann Haberhofer. Doch der stockte mittendrin und kletterte aus seinem Flieger. Was war geschehen? Als ich näher kam, sah ich die Bescherung: an seinem neuen Verstellpropeller war eine Blattspitze aufgerissen. Erst jetzt sahen wir in dem tiefen Gras zwei massive Winkeleisen 30 cm aus dem Boden ragen. Da es mittlerweile zu regnen begonnen hatte, hatte keiner der drei das Hindernis gesehen, bloß die ersten zwei hatten Glück gehabt...

Nach diesem Schock fuhren wir erst mal mit dem Taxi in die Stadt um die Lage in gemütlicherer Umgebung zu besprechen. Die beiden Cherrypiloten beschlossen, da sie beide allein unterwegs waren, in Brandstätters Flieger morgen zurückzufliegen, um einen neuen Propeller von Weiz zu holen. Am Abend könnten sie wieder zurück sein und die Reise fortsetzen. Poldi wollte eigentlich nur mehr ein bisschen in Schweden herumfliegen (am Nordkap war er ja schon).

Also blieben Chris und ich allein über, Richtung Polarkreis. Die Zeit war knapp, also flogen wir nächsten Morgen, Freitag den 30.Mai, ab Richtung Norwegen, Flugplan nach Bergen. Zuerst ging’s über Dänemark, an der Westküste entlang in 4000 Fuß. In Esbjerg müssten wir durch eine TMA, also meldeten wir uns brav und man wies uns einen Transpondercode zu. Darauf hatte ich schon gewartet, hat mir doch das Christkind einen Transponder gebracht, den ich nun endlich in der Praxis testen konnte. Doch zu meiner Enttäuschung meldete der Controller "no reply", offenbar funktionierte der Transponder nicht.

Also hieß es wie früher Standort Reporten, was zwar mittels GPS kein Problem ist, aber doch lästig, wenn man es dauernd machen muss. Gott sei Dank war aber während der ganzen Reise offenbar nicht viel VFR - Verkehr, da wir nur wenige Positionsreports machen mussten.

Nach einer guten Stunde hatten wir Dänemark hinter uns und überquerten die Ostsee. Nach einer Viertelstunde über Wasser tauchte am Horizont bereits die Norwegische Küste auf, wir flogen Kurs auf Kristiansand. Der dänische Kontroller gab uns weiter an Kjevik Tower. Ich meldete mich und eine freundliche weiblich Stimme antwortete, währenddessen rätselte ich was für eine Station das wohl sei. Erst nach einer Weile suchen in der Karte merkte ich, dass Kjevik bloß der Name des Flugplatzes Kristiansand ist.

Nun flogen wir die Küste entlang, über wunderschöne Inseln und immer wieder tief in das Land einschneidende Fjorde. Rechts von uns im Landesinneren türmten sich schneebedeckte Berge auf, wie zu Hause in den Alpen, wenn man aber über die linke Fläche hinunterschaute, nur grünblaues Meer. Wir konnten uns beide momentan gar nicht Sattsehen. Im Süden ist das Land hier noch etwas dichter besiedelt, weiter nördlich konnten wir dann schon die Häuser mitzählen, die wir unter uns sahen.

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Fjorde, Fjorde, Fjorde ...

Die freundlichen Kontroller gaben uns immer an die nächste Station weiter, sodass wir kaum Probleme hatten. So landeten wir gegen Mittag in Flesland (das ist der Platzname von Bergen). Im Anflug merkten wir schon am regen Funkverkehr, dass der Platz sehr stark frequentiert ist, jedoch nur von Passagierflugzeugen. Nach der Landung sahen wir, dass wir das einzige einmotorige Flugzeug am Apron waren.

Man brachte uns mit einem Kleinbus zum Abfertigungsgebäude, wo uns ein Beamter der Security empfing, dem wir genau erklären mussten woher wir kämen, wohin und was wir hier wollen. Ich versuchte ihm zu erklären, dass wir hier nur zum Tanken und Zoll erledigen gelandet sind und gleich wieder weiter wollten. Daraufhin schickte er uns seine Kollegin vom Zoll, bei der dieselbe Fragerei wieder begann. Sie wollte sogar wissen wozu wir überhaupt nach Norwegen gekommen waren, offensichtlich vermutete sie irgendwelchen Schmuggel. Wahrscheinlich habe ich mich auch missverständlich ausgedrückt, jedenfalls wollte sie unbedingt unser Gepäck sehen.

Daraufhin versuchte Chris ihr die Sache zu erklären, er kann, wie schon gesagt, recht gut Englisch und nach einem Gespräch mit ihrem Kollegen ließ sie uns passieren. Nun war sie auch etwas freundlicher und als wir ihr sagten, dass wir zur Mitternachtssonne hinauf wollten, erzählte sie uns, dass es heuer einen sehr strengen Winter mit viel Schnee gegeben hätte, und in Tromsö angeblich noch immer ein Meter Schnee läge.

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Auf dem Apron von Flesland (Bergen)

Trotzdem kauften wir erst einmal eine Weekly Season Card, (damit braucht man auf den staatlichen Flugplätzen keine Landegebühr mehr zahlen) und gaben einen Flugplan nach Bodö auf. Bodö liegt bereits nördlich des Polarkreises und von dort könnten wir am nächsten Tag das Nordkap umrunden und dann nach Schweden weiterfliegen, dann könnten wir Samstagabend in Stockholm sein. Die Großwetterlage sah auch beruhigend gut aus, ein mächtiges Hoch mit Zentrum über der Nordsee bescherte ganz Skandinavien schönstes Wetter. Allerdings, so sagte man uns und am Satellitenbild konnte man es auch schön sehen, schiebt sich ganz im Norden Norwegens ein Wolkenband zur Küste, also weiter nördlich wird’s doch etwas schlechter, aber noch fliegbar.

Wir flogen also los nach Norden, wieder über zerklüftete Fjorde, wilde Inseln mit manchmal ein paar Häusern drauf, Steilabfallende Küsten ohne jede Landemöglichkeit. Wenn sich doch einmal ein größerer Fleck zeigte, versuchte ich ihn so lange als möglich im Auge zu behalten, man weiß ja nie... Wir hatten selbstverständlich immer Schwimmwesten umgehängt, trotzdem würde ich im Falle eines Falles die Cherry doch lieber in irgendeinem Acker auf dem Bauch landen als im Wasser. Aber wie gesagt, die Äcker sind dort selten.

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Impression über den Bergen

Eine weitere Tücke dieser Gegend ist nicht zu unterschätzen. Fliegt man sehr tief die Küste entlang, so muss man unbedingt auf freihängende Kabel und Drahtseile achten. Die meisten sind in der ICAO Karte eingezeichnet doch es sind die meisten nicht durch bunte Kugeln gekennzeichnet wie bei uns. Als wir die erste dieser Leitungen überflogen, waren wir zwar an die dreitausend Fuß hoch und deshalb umso mehr überrascht, dass in dieser Höhe so einfach Kabel ohne jede Markierung herumhängen. Also wirklich aufpassen wer einmal in diese Gegend kommen sollte.

Ansonsten war der Flug nach Bodö problemlos, nur das Wetter verschlechterte sich, wie vorausgesagt, doch etwas. Immerhin kamen wir noch in 2000 Fuß an, nur die Sonne hatte sich unterwegs unter eine Schichtbewölkung verzogen.

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Auf dem Weg zum Polarkreis wird das Wetter immer schlechter

Der Flugplatz von Bodö Flugzeug- und menschenleer, unsere Cherry stand mutterseelenallein auf dem riesigen Platz. Ein freundlicher Platzwart dirigierte uns auf eine Abstellfläche und fuhr uns in ein Hotel in der Stadt. Vorher musste er aber länger telefonieren um ein Zimmer zu finden, denn die meisten Hotels waren ausgebucht, da momentan irgendein Kongress in Bodö tagte. Und in das teuerste Hotel am Platz wollten wir auch nicht unbedingt. Schließlich wurde er im Grand Hotel fündig. Als er uns dann dort absetzte war das Haus doch nicht so toll wie es der Name versprach, und wir bezogen ein ganz preiswertes Zimmer.

Mittlerweile war es halb elf abends und wir wollten uns noch ein wenig die Stadt ansehen. Bodö ist eine typische norwegische Hafenstadt, wir versuchten etwas zum Essen zu kriegen, womöglich was Bodenständiges, Fisch oder so. Nachdem wir schon den halben Ortskern abgeklappert hatten fanden wir endlich ein Restaurant, doch welche Enttäuschung, es war geschlossen. Daraufhin sprach Chris in unserer Verzweiflung einen jungen Mann an, ob er uns einen Tipp geben könnte. Es stellte sich heraus, dass er auch kein Eingeborener war und deshalb seinerseits wieder eine Gruppe junger Leute fragen musste. Offensichtlich ist es in Norwegen nicht so wie bei uns, dass die Leute viel und gern in ein Gasthaus gehen, deswegen gibt’s auch nicht viele Restaurants und Gasthäuser dort.

Schließlich erbot er sich, uns zu einem Restaurant zu begleiten, das einzige außer einer Pizzeria und einem McDonalds. Unterwegs erzählte er uns, dass er hier am Flugplatz als F16 Pilot einige Monate stationiert ist. Christian konnte es zuerst gar nicht glauben, der sah ja gar nicht älter aus als er selbst. So konnten wir sogar noch etwas fachsimpeln, wir mussten ihm alles erzählen, wie wir mit unserem kleinen Flieger so weit hergeflogen sind. Das konnte er wieder gar nicht glauben.

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Bodö um Mitternacht

Jedenfalls kamen wir doch noch zu einem feinen Abendessen und um ein Uhr nachts machten wir uns wieder auf den Weg ins Hotel. Allerdings war es taghell wie bei uns am Abend, wir befanden uns ja am 67. Breitengrad, also nördlich des Polarkreises. Bloß sehen konnten wir die Mitternachtssonne nicht, weil es bewölkt war. Also vertrösteten wir uns auf morgen und gingen schlafen. Gott sei Dank hatten sie dort ganz dicke Vorhänge, sodass man das Zimmer auch wirklich abdunkeln konnte.

Nächsten Morgen war mein erster Blick aus dem Fenster, o Schreck, die Strasse nass und es nieselte leicht, Tiefhängende Wolken. Nach dem Frühstück gingen wir zu Fuß zum Flugplatz zurück und konnten uns dabei die typischen Norwegerhäuser ansehen. Fast alle aus Holz und bunt gestrichen, im Gegensatz zu den Schweden, die ihre Häuser in dem typischen rostbraunen Farbton streichen mit weißen Faschen.

Unser erste Weg war natürlich ins Metbüro, dort saß ein freundlicher Norweger, der uns genau erklärte warum es hier in Bodö schlecht ist und im Ganzen übrigen Skandinavien schön. "Das ist das typische Bodöwetter heute", erklärte er uns. Na Super. Aber nach seinem Gefühl wird der Wind bis Mittag drehen und dann wird das Wetter besser.

Einigermassen ermutigt erfuhren wir noch den Weg zu einem Flugzeugmuseum, zwanzig Minuten Fußmarsch, sehr sehenswert. Nach einer halben Stunde marschieren und studieren der norwegischen Wörter auf den Reklameschildern sahen wir in der Ferne bereits den Turm des Museums. Als wir dann endlich näher kamen, wunderten wir uns noch über den riesigen leeren Parkplatz, doch als wir dann vor der verschlossenen Museumstür standen wunderte uns nichts mehr.

Also machten wir kehrt. Als wir zum Flugplatz zurückkamen, kannten wir schon einige norwegische Vokabeln bloß vom logischen Überlegen her (z.Bsp. Bilutleie = Autovermietung, ist doch logisch, oder?)

Inzwischen war es natürlich Zeit für den nächsten Besuch im Metbüro. Ja, wir sollten uns noch zwei-drei Stunden gedulden, dann dreht der Wind und es wird besser. Ein Blick aus dem Fenster ließ mich bereits jetzt schon am Wahrheitsgehalt dieser Aussagen zweifeln. Sicherheitshalber machten wir uns jedoch Gedanken für den Fall, dass doch nicht. Wieder zurück ins Hotel?

Während wir diese Überlegungen wälzten, gab uns wieder ein freundlicher Norweger den Tipp, doch einmal beim Aeroclub vorbeizuschauen, die hätten gleich hier am Flugplatz ein kleines Häuschen, vielleicht könnten wir dort sogar übernachten wenn’s noch einmal sein muss. Dort angekommen, standen wir natürlich vor verschlossener Tür, wer fliegt denn schon bei so einem Sauwetter. Im Hangar daneben brannte jedoch Licht und dort fanden wir einen Mechaniker, der an einem Hubschrauber arbeitete. Wir fragten ihn, ob er über den Aeroclub Bescheid wisse. Da stellte sich heraus, dass er selbst hier Mitglied ist und wir gerne im Heim übernachten können und gab uns gleich den Schlüssel. Wenn er morgen früh nicht hier ist sollen wir ihm den Schlüssel ins Postfach werfen. So einfach ist das.

Überflüssig zu sagen, dass das Wetter tatsächlich immer schlechter wurde und wir also im Aeroclub (= Flugclub) übernachten mussten. An ein Weiterfliegen zum Nordkap war nach dem verlorenen Tag nicht mehr zu denken. Nachdem ich am Dienstag wieder arbeiten musste war es höchst notwendig, dass wir am Sonntag von hier wegkommen. Ärgerlich an der Situation war ja nur das eine, dass es in ganz Mittel- und Nordeuropa durch das erwähnte Hoch überall schön war, nur an der Nordküste Norwegens diese Staubewölkung.

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Das Klubhaus des "Bodö Flyklubb"

Sonntagmorgen wurde ich schon um 6 Uhr früh wach, gleich der erste Blick aus dem Fenster. Gott sei Dank regnet es nicht mehr und die Basis vielleicht tausend Fuß. Erleichtert schlief ich noch ein bisschen ein, doch dann aufstehen, Frühstück machen, packen, Schlüssel ins Postfach von Lars Lundberg (den Namen habe ich mir gemerkt), und ab ins Metbüro.

Dort wurde uns eröffnet, dass zwar der erste Teil Richtung Süden in 1000 Fuß fliegbar ist, jedoch in der Gegend von Oerland die Basis um die 500 Fuß liegt, und sie würden uns noch abraten jetzt zu fliegen. Nachdem ich die Forecasts genau studiert hatte, gaben wir jedoch den Flugplan nach Bergen auf, immerhin hatten wir bis zu der kritischen Stelle ca. drei Stunden zu fliegen und die Forecasts versprachen weitere Besserung.

Nach dem Start in Bodö nahmen wir erst einmal in 1000 Fuß Kurs Richtung Süden, wie erhofft konnten wir bald auf 1500 und 2000 Fuß steigen. Tatsächlich kamen wir dann noch in ein Gebiet, wo noch aufgelockerte Bewölkung lag, jedoch der Wolkenschirm über uns bereits so dünn war, dass wir kurz darauf mit ein paar Sekunden Vollgas durchstechen konnten. Die nächste halbe Stunde noch on Top, dann waren auch die letzen Wolkenreste verschwunden und wir hatten wieder herrlichstes Wetter.

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An der Westküste Norwegens

Eine halbe Stunde vor Bergen war unser Spritvorrat wohl durch den Gegenwind bedrohlich geschrumpft, mit fast null Reserven hätten wir es knapp geschafft. Das wollten wir nicht riskieren und so flogen wir unseren Ausweichflugplatz Florö an. Dort teilte man uns jedoch mit, dass sie kein Avgas hätten, nur Jet A1. Der gute Mann gab uns aber gleich den Tipp, doch nach Sandane zu fliegen, der Platz läge eine halbe Stunde landeinwärts in einem schönen Fjord, die hätten Avgas.

Das machten wir dann auch und wir haben es nicht bereut. Der Flug von Florö nach Sandane war das schönste Teilstück unserer ganzen Reise. Zuerst in ein wunderschönes Tal mit herrlichen Wasserfällen, dann einfädeln in einen engen Fjord, links und rechts von uns steile Felswände, am Ufer ein bisschen Wald, dann tauchte vor uns eine Landzunge auf, auf der quer eine 700m lange Asphaltpiste lag. Am Flugplatz war gerade tote Hose, nichts rührte sich, ein paar Männer saßen in der Sonne und genossen den schönen Tag. Es sind die ersten richtig warmen Tage hier, sagten sie. Wir tankten unsere Cherry auf und setzten uns auch ein bisschen dazu. Unser Zeitplan hieß heute noch nach Kristiansand und morgen nach Hause. So konnten wir uns leicht ein Stündchen Pause gönnen.

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Auf dem Weg nach Sandane Flugplatz

Da wir nun schon im Landesinneren waren, beschlossen wir, nicht mehr an die Küste zurück, sondern gleich direkt übers Gebirge nach Süden zu fliegen. Die Berge sind ja nicht besonders hoch, unser Ötscher ist höher, trotzdem hat man den Eindruck von Zehntausendern in unseren Alpen.

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Über dem Gebirge

Nach zwei Stunden Genussflug landeten wir in Kristiansand, am Südzipfel von Norwegen, Zum Übernachten fanden wir ein schnuckeliges Plätzchen gleich neben dem Flugplatz, direkt in einer Meeresbucht, und schlugen unser Zelt am Sandstrand auf. Müde, aber glücklich rollten wir uns in unsere Schlafsäcke.

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Übernachtung am See in Kristiansand

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Sunset am See

Nächsten Morgen, Montag, weckten uns die Sonne und das Gekreische der Möwen. Wir packten unsere Siebensachen in den Flieger, gingen noch schmähhalber Meteo anrufen (wir wussten ja sowieso schon, dass es überall in Deutschland und Österreich schön ist), und verließen dieses freundliche Land, nicht ohne noch einmal einen Blick zurück zu werfen.

Der Flug über Dänemark erwies sich als ziemlich fad, nur über Esbjerg warnte uns eine Kontrollerin ja nicht zu nahe an eine Restricted-Area heranzufliegen, da diese aktiv sei. Tatsächlich sahen wir bald darauf die bösen Buben rechts von uns ziemlich wild herumturnen, aber offensichtlich halten sie sich sehr genau an ihre Area.

Bald landeten wir wieder in Lübeck, wo wir nach der Cherry von Hans Haberhofer suchten. Nachdem sie nicht mehr da war, konnten wir annehmen, dass auch sein Abenteuer gut ausgegangen und er wieder zu Hause war. Der Rest der Reise war nur mehr Routine und wir landeten um sechs Uhr abends wieder in St.Georgen.

Nächstes Jahr werde ich es noch einmal mit meiner Frau versuchen, aber nur mehr mit einem großzügigeren Zeitplan, sodass auch Schlechtwettertage überbrückt werden können. Und vor allem, damit wir ein wenig mehr von Land und Leuten kennen lernen.

Von Othmar Wolf